Das schwedische Recht nennt dir keine Uhrzeit für die Ruhe. Es setzt einen Maßstab – die Uhrzeit kommt von Vermieter, Wohnungsgenossenschaft oder Campingplatz. Hier erfährst du, wie beides zusammenpasst, was nach einer Beschwerde passiert und wen du anrufst.

Wann du das brauchst

Du wohnst in einer Mietwohnung, einer Ferienwohnung à la Airbnb oder einem Ferienhaus mit Nachbarn und planst ein Abendessen, kommst spät an oder willst nachts Wäsche waschen. Oder du buchst einen Campingplatz. Oder ein Nachbar hat gerade geklopft – oder du liegst selbst wach, weil oben gefeiert wird.

Kein Ruhezeitengesetz: der eigentliche Maßstab

Es gibt kein schwedisches Gesetz, das „Ruhe ab 22:00“ vorschreibt. Wir haben die drei Gesetze gelesen, die Lärm aus Wohnungen regeln – keines davon enthält eine Uhrzeit.

Was das Gesetz sagt, ist in einer Hinsicht strenger und in einer anderen lockerer. Das Grundstücksgesetzbuch (Jordabalken) verpflichtet Mieter, dafür zu sorgen, dass Nachbarn keinen Störungen ausgesetzt sind, die so gesundheitsschädlich sind oder ihr Wohnumfeld so verschlechtern, dass sie „vernünftigerweise nicht hingenommen werden müssen“ (inte skäligen bör tålas). Das Gesetz über Wohnungsgenossenschaften legt dieselbe Pflicht den Eigentümern in einer Genossenschaft (bostadsrättsförening, kurz brf) auf, die zusätzlich die Regeln der Genossenschaft befolgen müssen. Das Umweltgesetzbuch ergänzt, dass Wohnungen so genutzt werden müssen, dass keine Gesundheitsbeeinträchtigung entsteht.

GesetzFür wen es giltDer Maßstab
Grundstücksgesetzbuch Kap. 12MieterStörung, die Nachbarn vernünftigerweise nicht hinnehmen müssen
Genossenschaftsgesetz Kap. 7GenossenschaftseigentümerDerselbe Maßstab plus die Regeln der Genossenschaft
Umweltgesetzbuch Kap. 9Alle, die eine Wohnung nutzenKeine Gesundheitsbeeinträchtigung (nicht geringfügig oder ganz vorübergehend)

Der Maßstab gilt rund um die Uhr. Auch laute Musik den ganzen Nachmittag kann eine Störung sein; nachts ist sie nur leichter nachzuweisen.

Die Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten veröffentlicht Richtwerte für Lärm in Innenräumen: 30 dBA als Mittelwert, 45 dBA als Höchstwert und 25 dBA für Musikanlagen. Sie helfen der Gemeinde, eine Gesundheitsbeeinträchtigung zu beurteilen. Es sind allgemeine Empfehlungen, keine Bußgeldskala für Nachbarn.

22:00 und 23:00: woher die Zeiten kommen

Die bekannten Zeiten stehen in Hausordnungen (ordningsregler). Sie sind kein Gesetz, aber Teil des Mietvertrags, der Genossenschaftsregeln oder der Buchungsbedingungen, die du akzeptierst.

  • Mehrfamilienhäuser: Hausordnungen bitten meist um besondere Rücksicht von 22:00 bis 07:00. Eine große Stockholmer Wohnungsgenossenschaft formuliert es so: Aktivitäten vermeiden, die Nachbarn stören können, „vor allem zwischen 22.00 und 07.00 Uhr“.
  • Campingplätze: Buchungsbedingungen legen meist Nachtruhe (tystnad oder nattro) von 23:00 bis 07:00 fest – die Bedingungen 2026 eines kommunalen Campingplatzes sagen genau das –, aber jeder Platz bestimmt seine eigenen Zeiten.

Dieselben Hausordnungen regeln meist auch die Zeiten der Waschküche und für Renovierungsarbeiten. Lies sie also bei der Ankunft – sie hängen am Schwarzen Brett im Treppenhaus oder stehen im Inserat.

Was als Störung zählt

Nicht jedes Geräusch. Die Hinweise von Wohnungsunternehmen nennen Geräusche, die man in einem Mehrfamilienhaus hinnehmen muss: ein Baby mit Koliken, das nachts schreit, Kinder, die rennen und spielen, Schichtarbeiter, die nachts kochen und die Spülung betätigen, und Musik tagsüber.

Was zählt: laute Musik, Partys, Klopfen, Hundegebell und Lärm im Treppenhaus, besonders spät. Und die Beurteilung ist objektiv – sie hängt nicht davon ab, wie empfindlich die Person ist, die sich beschwert.

Typische Auslöser in schwedischen Häusern:

  • Straßenschuhe in der Wohnung – zieh sie aus
  • Stühle, die über den Boden kratzen – Filzgleiter helfen
  • Spül- oder Waschmaschine spät am Abend
  • Türen knallen
  • Fernseher oder Lautsprecher nachts laut – Kopfhörer lösen das

Du planst eine Party? Ein Zettel im Treppenhaus vorab ist die übliche Höflichkeit und macht einen lauten Abend viel leichter erträglich.

Was nach einer Beschwerde passiert

Meist: ein Klopfen oder ein Zettel. Entschuldige dich, dreh leiser, und die Sache ist erledigt – Wohnungsunternehmen sagen, dass die meisten Störungen schlicht Gedankenlosigkeit sind.

Wiederholt es sich, wendet sich der Nachbar an den Vermieter oder den Vorstand der Genossenschaft, und das Gesetz legt die Schritte fest:

  1. Vermieter oder Genossenschaft müssen den Bewohner auffordern, die Störung zu beenden (eine tillsägelse, eine förmliche Abmahnung), und das kommunale Sozialamt benachrichtigen.
  2. Wird die Störung nicht abgestellt, kann der Mietvertrag oder die Mitgliedschaft in der Genossenschaft gekündigt werden.
  3. Bei besonders schweren Störungen ist eine Kündigung auch ohne vorherige Abmahnung möglich.

Für Lärm in einer Wohnung gibt es kein Bußgeld. Die Sanktion ist die Wohnung selbst. Und zahl es nicht mit Klopfen an die Decke oder wütenden Zetteln heim – dann wirst womöglich du gemeldet.

Dein Lärm, das Problem deines Gastgebers

Diesen Punkt übersehen Besucher. Der Mieter haftet für alle, die er in die Wohnung lässt: Haushaltsmitglieder, Gäste und alle, die er dort wohnen lässt. Genossenschaftseigentümer haben dieselbe Aufsichtspflicht.

Bei Untermiete oder Kurzzeitvermietung gehen die Abmahnungen also an deinen Gastgeber – und mit ihnen das Risiko, die Wohnung zu verlieren. Ein einzelner lauter Abend führt nicht dazu, aber wiederholte Beschwerden über Gäste sind genau das Muster, auf das Vermieter reagieren. Gibt es Ärger mit einem Nachbarn, sag deinem Gastgeber Bescheid, statt im Treppenhaus zu streiten.

Auf Campingplätzen ist die Sanktion direkt: Die Bedingungen können dem Platz erlauben, störende Gäste ohne Erstattung wegzuschicken.

Wenn du selbst wach liegst

Boverket, die staatliche Wohnungsbaubehörde, nennt die Reihenfolge:

  1. Sprich mit dem Nachbarn – oft weiß er nichts davon.
  2. Wende dich an Vermieter, Hausverwaltung oder Vorstand der Genossenschaft (bei einer Ferienwohnung an deinen Gastgeber).
  3. Wende dich an das kommunale Umweltamt (miljöförvaltningen oder miljökontoret), das den Lärm beurteilt und entscheidet. Gegen die Entscheidung kannst du Einspruch einlegen.

Wiederholt sich das Problem, führe ein Protokoll – Datum, Uhrzeit, Art und Dauer. Vermieter verlangen eines, bevor sie handeln.

Die Polizei ist für Gefahr und öffentliche Ordnung da: 112 nur bei Drohungen, Gewalt oder anderer Gefahr für Leben, Eigentum oder Umwelt; 114 14 für andere Polizeiangelegenheiten, rund um die Uhr.

Lärm in der Öffentlichkeit und Feuerwerk

Außerhalb der Wohnung ist das Strafgesetzbuch eindeutig: Lärm an einem öffentlichen Ort (oljud på allmän plats) ist ungebührliches Verhalten und wird mit einer Geldstrafe geahndet. Herumschreien auf der Straße nach einer Party zählt dazu. Die Polizei kann außerdem Personen entfernen, die die öffentliche Ordnung stören.

Gemeinden erlassen zusätzliche Ordnungsvorschriften (lokala ordningsföreskrifter) für öffentliche Orte – typischerweise eine polizeiliche Genehmigungspflicht für laute Arbeiten wie Rammen oder Steinbrechen und für Lautsprecherdurchsagen. Für deine Wohnung gelten sie nicht.

Feuerwerk braucht eine polizeiliche Genehmigung, wo Zeitpunkt und Ort ein Risiko für Verletzungen oder erhebliche Belästigung schaffen. Viele Orte erlauben Verbraucherfeuerwerk ohne Genehmigung in einem festgelegten Zeitfenster an Silvester; die Zeiten unterscheiden sich, also prüfe die Ordnungsvorschrift des Ortes. Unser Silvester-Ratgeber hat alle Regeln.

Praktische Informationen

SituationRegel oder übliche ZeitArt
Landesweite RuhezeitenKeine – Zumutbarkeitsmaßstab zu jeder ZeitGesetz
Hausordnung in MehrfamilienhäusernMeist 22:00–07:00Hausordnung
Nachtruhe auf CampingplätzenMeist 23:00–07:00; beim Platz prüfenHausordnung
Lärm in einer WohnungKein Bußgeld; Abmahnung, dann mögliche KündigungGesetz
Störungen auf dem CampingplatzWegschicken ohne Erstattung möglich (Beispielbedingungen)Hausordnung
Lärm an einem öffentlichen OrtGeldstrafe, im Einzelfall festgesetztGesetz
Feuerwerk außerhalb des örtlichen ZeitfenstersPolizeiliche Genehmigung nötig, sonst GeldstrafeGesetz
Notfall (Gefahr, Drohungen)112–
Andere Polizeiangelegenheiten114 14–
Anhaltendes LärmproblemNachbar → Vermieter/brf → kommunales UmweltamtEmpfehlung

FAQ

Gibt es in Schweden ein Gesetz über Ruhezeiten?

Nein. Kein schwedisches Gesetz legt eine Uhrzeit fest, ab der Ruhe herrschen muss. Mieter und Genossenschaftseigentümer dürfen Nachbarn keinen Störungen aussetzen, die vernünftigerweise nicht hingenommen werden müssen – zu jeder Uhrzeit. Die bekannten Zeiten 22:00 bis 07:00 stammen aus Hausordnungen, denen du mit dem Mietvertrag zustimmst, und Gerichte gewichten nächtlichen Lärm stärker.

Ab wann muss man in einer schwedischen Wohnung leise sein?

Hausordnungen bitten meist um besondere Rücksicht von 22:00 bis 07:00, manche Häuser legen eigene Zeiten fest. Normale Wohngeräusche – spielende Kinder, ein weinendes Baby, jemand, der spät heimkommt – gelten nicht als Störung. Laute Musik, Partys und Klopfen schon, besonders nachts, und die Pflicht zur Rücksicht gilt auch tagsüber.

Welche Ruhezeiten gelten auf schwedischen Campingplätzen?

Jeder Campingplatz legt seine eigenen fest, in den Buchungsbedingungen oder ausgehängten Regeln. Eine typische Nachtruhe dauert von 23:00 bis 07:00, die Zeiten variieren aber je nach Platz. Die Bedingungen können erlauben, störende Gäste ohne Erstattung wegzuschicken. Die Stellplätze liegen dicht beieinander, Stimmen tragen weit. Prüfe die Regeln bei der Ankunft an der Rezeption.

Was passiert, wenn sich meine Nachbarn über Lärm beschweren?

Meist ein Klopfen oder ein Zettel – entschuldige dich und dreh leiser. Wiederholte Beschwerden gehen an Vermieter oder Genossenschaft, die den Mieter zur Unterlassung auffordern und das Sozialamt informieren müssen; geht es weiter, kann gekündigt werden. Sehr schwere Störungen können ohne Abmahnung zur Kündigung führen. Bist du Gast, trägt dein Gastgeber dieses Risiko.

Kann ich in Schweden wegen lauter Nachbarn die Polizei rufen?

Ja, aber wähle die richtige Nummer. Ruf die 112 nur bei Gefahr für Leben, Eigentum oder Umwelt an, etwa bei Drohungen oder Gewalt. Andere Polizeiangelegenheiten laufen über 114 14, rund um die Uhr erreichbar. Bei gewöhnlichem Lärm sind Vermieter, Hausverwaltung oder Genossenschaftsvorstand die erste Anlaufstelle, danach das kommunale Umweltamt.

Darf ich in einer schwedischen Wohnung eine Party feiern?

Ja. Sag den Nachbarn vorher mit einem Zettel im Treppenhaus Bescheid, halte spät die Fenster geschlossen und dreh am Abend die Lautstärke herunter – Hausordnungen verlangen meist Ruhe ab 22:00. Eine angekündigte, gelegentliche Party wird viel eher toleriert als wiederholte lange Nächte, die zu Abmahnungen für den Mieter führen können.

Weiterführende Ratgeber


Fakten geprüft am 5. Oktober 2026. Quellen: Sveriges riksdag (Jordabalken, Bostadsrättslagen, Miljöbalken, Ordningslagen, Brottsbalken, Polislagen), Folkhälsomyndigheten, Boverket, Polisen, Södertälje kommun, Mullsjö kommun, SKB – vollständiges Verzeichnis in der Quelldatei dieses Themas. Etwas veraltet? Sag uns Bescheid, dann korrigieren wir es.