Schwedische Städte kommen gut mit dem Winter zurecht, aber auf dem Gehweg verletzen sich trotzdem die meisten Besucher. Hier erfährst du, was du anziehst, wie du gehst, was Splitt und Absperrungen bedeuten und wer für einen sicheren Gehweg verantwortlich ist.

Wann du das brauchst

Du bist irgendwann zwischen November und April in einer schwedischen Stadt, und der Gehweg besteht aus festgetretenem Schnee, blankem Eis oder wieder gefrorenem Matsch. Du überlegst, ob du Schuhspikes kaufen sollst, wofür das rot-weiße Band quer über dem Gehweg da ist – oder wer eigentlich die Stelle hätte streuen müssen, auf der du gerade ausgerutscht bist.

Warum Stürze das eigentliche Winterrisiko sind

Trafikverket, die schwedische Verkehrsbehörde, sagt es klar. Rund 3.000 Fußgänger werden in Schweden jedes Jahr schwer verletzt, und:

  • Deutlich über 95 % der schweren Verletzungen von Fußgängern entstehen bei Stürzen
  • Neun von zehn schwer verletzten Fußgängern sind gestürzt, nicht angefahren worden
  • Ausrutschen (halka, Glätte) ist die häufigste Ursache für Stürze im Straßenraum

Der Rat der Behörde an Fußgänger läuft auf zwei Dinge hinaus: gute Winterschuhe und Schuhspikes.

Schuhe sind wichtiger, als die meisten Besucher denken. Erst im März 2024 bekam Schweden eine nationale Prüfmethode dafür, wie gut eine Schuhsohle auf Eis greift (SS 657177:2024) – und sie gilt ausdrücklich nicht für Sohlen mit Spikes oder Stollen aus Metall. Ein „Winter“-Etikett an einem Stadtstiefel sagt also wenig.

Schuhspikes: welche Art und wo kaufen

Broddar (Schuhspikes, Grödel) sind Gummibänder mit Metallstiften oder Spikes, die du über die Stiefel ziehst.

ArtAm besten fürAchtung
Spikes für die ganze SohleVereiste Wege, Parks, Tageswanderungen, ungeräumte NebenstraßenRutschig auf Innenböden; an der Tür ausziehen
FersenspikesGrößtenteils geräumte Stadtstraßen, rein in Gebäude und wieder rausWeniger Halt an steilen, vereisten Hängen
Hochklappbarer FersenspikeStadtspaziergänge mit vielen Laden- und MuseumsbesuchenDrinnen hochklappen nicht vergessen
Eisspitze für den Gehstock (isdubb)Alle, die einen Stock oder eine Krücke benutzenGibt es neben den Schuhspikes

Vergessen? Im Winter findest du broddar in Sport- und Outdoorläden, Schuhgeschäften, Baumärkten sowie in vielen Apotheken und Supermärkten. Sie sind ein günstiger Alltagsartikel. Manche Gemeinden verteilen kostenlose Schuhspikes an ältere Einwohner – Göteborg etwa an Einwohner ab 65 –, aber diese Angebote gelten nur für die Bewohner.

So gehst du auf einem vereisten Gehweg

  1. Prüf den Untergrund. Festgetretener Schnee, wieder gefrorener Matsch und nass aussehendes Eis sind die rutschigen Stellen; Tage mit Tauwetter und Nachtfrost sind die schlimmsten.
  2. Trag warme Stiefel mit weicher Sohle und tiefem Profil, kein glattes Leder.
  3. Zieh die Schuhspikes an, bevor du rausgehst – nicht erst nach dem ersten Ausrutscher.
  4. Geh auf dem gestreuten Streifen. Splitt oder Sand liegt meist nur auf einem Teil des Gehwegs; bleib darauf.
  5. Mach kurze, flache Schritte mit dem Gewicht über dem vorderen Fuß, die Hände aus den Taschen. Ein Rucksack ist besser als eine Tasche in jeder Hand.
  6. Halte Abstand zu Hauswänden unter Eiszapfen und geh nie unter einer Absperrung durch.
  7. Trag im Dunkeln einen Reflektor, und wo es keinen Gehweg gibt, geh links, dem Verkehr entgegen.
  8. Überquer die Straße am Zebrastreifen, aber such Blickkontakt – ein Auto auf Eis hält vielleicht nicht an.
  9. Zieh die Spikes drinnen aus. Metallstifte rutschen auf Stein, Fliesen und polierten Böden.

Die Falle ist Glatteis. Klares Eis auf Asphalt sieht aus wie ein nasser Gehweg – dunkel und glänzend. Behandle jede dunkle Stelle wie Eis.

Splitt, Sand und Salz

Der Belag auf dem Gehweg (sandning, Streuen) gibt deinen Sohlen Halt, wo sich das Eis nicht wegkratzen lässt. Stockholm bekämpft Glätte mit Salz, Salzlake, Sand oder einer Mischung und setzt auf rund 340 km Fuß- und Radwegen auf Kehrsalzen (sopsaltning). Viele andere Städte setzen vor allem auf Sand oder Splitt (grus, stenflis).

Zwei Dinge solltest du wissen. Splitt sinkt in Neuschnee ein und wird zur Seite getreten, sodass die Stellen zwischen den gestreuten Streifen vereist bleiben können. Und örtliche Regeln verlangen oft nur einen Streifen – in Mölndal etwa soll nach Möglichkeit auf 1,0 m Breite gestreut werden, und auf Betontreppen ist Salz verboten. Im Frühjahr wird der Winterstreu wieder zusammengekehrt.

Wer den Gehweg räumt

Hier liegen viele Forenantworten falsch. Nach dem schwedischen Straßenreinigungsgesetz (Lag 1998:814) muss die Gemeinde die öffentlichen Straßen, Plätze und Parks, für die sie zuständig ist, durch Schneeräumung und ähnliche Maßnahmen in einem Zustand halten, der angemessenen Anforderungen an Zugänglichkeit und Verkehrssicherheit genügt. Staatsstraßen sind Sache von Trafikverket.

Das Gesetz erlaubt dem Gemeinderat aber auch, die Pflicht für den Gehweg vor einem Grundstück per örtlicher Regel auf den Grundstückseigentümer (fastighetsägare) zu übertragen. Es hängt also vom Ort ab:

WerRäumt was
GemeindeÖffentliche Straßen, Plätze, Parks; Gehwege, sofern nicht auf Eigentümer übertragen
Grundstückseigentümer, wo örtliche Regeln es vorsehenDen Gehweg vor dem Grundstück, einschließlich Streuen
Grundstückseigentümer, überallEingänge, öffentlich begehbare private Wege, Dachschnee und Eiszapfen
TrafikverketStaatsstraßen

Stockholm räumt seine Gehwege selbst und gibt Hauptstraßen und Busstraßen samt ihren Gehwegen Vorrang, während Eigentümer sich um ihre Eingänge und um Eis aus ihren Fallrohren kümmern. Mölndal dagegen verpflichtet Eigentümer, den Gehweg vor ihren Gebäuden zu räumen und zu streuen. Ein Eigentümer, der eine solche Pflicht vernachlässigt, kann mit einer Geldstrafe belegt werden.

Eine gefährliche Stelle entdeckt? Melde sie der Gemeinde – in Stockholm über den Dienst „Tyck till“ oder unter 08-651 00 00. Die Reihenfolge der Schneeräumung erklärt unser Ratgeber zur Schneeräumung.

Dachschnee, Eiszapfen und Absperrungen

Schnee, der vom Dach rutscht (takras), und herabfallende Eiszapfen (istappar) können schwere Kopfverletzungen verursachen – deshalb ist das Entfernen in Schweden eine landesweite gesetzliche Pflicht. Nach dem Ordnungsgesetz (Ordningslagen) muss Schnee und Eis, das herabfallen und Menschen auf öffentlichem Grund verletzen könnte, ohne unangemessene Verzögerung vom Eigentümer des Gebäudes von Dächern und Dachrinnen entfernt werden. Wer dagegen verstößt, muss mit einer Geldstrafe rechnen.

In der Praxis heißt das:

  • Rot-weißes Band oder eine Absperrung (avspärrning) auf dem Gehweg markiert ein Dach, das geräumt wird, oder die Gefahr herabfallenden Schnees – geh drumherum, auch wenn du dafür die Straßenseite wechseln musst.
  • Schilder wie „Varning för takras“ bedeuten dasselbe: nicht unter die Dachtraufe.
  • Tauwettertage sind die gefährlichen: Der Schnee auf dem Dach löst sich, und Schmelzwasser unter den Fallrohren gefriert über Nacht auf dem Gehweg.
  • Gefährliche Eiszapfen meldest du zuerst dem Eigentümer oder der Hausverwaltung; die 112 nur, wenn jemand in akuter Gefahr ist.

Im Dunkeln unterwegs und über die Straße

Winternachmittage sind dunkel, und ein Autofahrer mit Abblendlicht sieht einen dunkel gekleideten Fußgänger erst auf 20–30 m. Mit einem Reflektor (reflex) sind es laut Trafikverket etwa 125 m. Häng ihn tief an die Seite, die dem Verkehr zugewandt ist.

Die Verkehrsregeln für Fußgänger sind einfach: Benutze den Gehweg oder den Seitenstreifen; gibt es beides nicht, geh möglichst weit links, dem Verkehr entgegen. Überquer die Straße an einem Fußgängerüberweg, wenn einer in der Nähe ist – dort müssen Autofahrer dir Vorrang geben. Auf Eis kann ein Auto aber womöglich nicht anhalten, also warte, bis du sicher bist.

Wenn du stürzt

  • Verdacht auf Knochenbruch, Kopfverletzung oder starke Blutung: ruf die 112 an.
  • Unsicher, ob du Hilfe brauchst: ruf 1177 an, die Gesundheitsberatung, rund um die Uhr erreichbar.
  • Danach: Sag der Gemeinde oder dem Eigentümer, wo du gestürzt bist, damit die Stelle gestreut wird, und heb Quittungen und ärztliche Unterlagen für deine Reiseversicherung auf.

Praktische Informationen

PunktDetailArt
Schwere Fußgängerverletzungen durch StürzeÜber 95 %; rund 3.000 schwer verletzte Fußgänger pro JahrAmtliche Statistik
Hauptursache von StürzenAusrutschen auf Eis und SchneeAmtliche Statistik
Schuhspikes (broddar)Günstig; Sport-, Schuh-, Baumärkte, Apotheken, SupermärktePraxis
GehwegräumungGemeinde, sofern örtliche Regeln sie nicht auf Grundstückseigentümer übertragenGesetz
Dachschnee und EiszapfenGebäudeeigentümer muss sie ohne unangemessene Verzögerung entfernen; sonst GeldstrafeGesetz
Gestreute Breite (Beispielregel, Mölndal)1,0 m, wo möglichÖrtliche Regel
Sichtbarkeit mit ReflektorEtwa 125 m mit Reflektor statt 20–30 m in dunkler KleidungEmpfehlung
Fußgänger am ungeregelten ÜberwegAutofahrer müssen Vorrang gebenGesetz
Unsicheren Gehweg melden (Stockholm)„Tyck till“ oder 08-651 00 00Praxis
Notfall112–
Medizinische Beratung1177, rund um die Uhr–

FAQ

Brauche ich in Schweden Schuhspikes?

Für Stadtspaziergänge im Winter meistens ja. Trafikverket nennt Ausrutschen als häufigste Ursache von Fußgängerstürzen und rät zu guten Winterschuhen und Schuhspikes (broddar). Selbst gut organisierte Städte haben vereiste Stellen zwischen gestreuten Streifen, besonders bei Tauwetter mit Nachtfrost. Ein Paar ist günstig und leicht und in Sport-, Schuh- und Baumärkten sowie vielen Supermärkten erhältlich.

Wer räumt in Schweden Schnee und Eis von den Gehwegen?

Die Gemeinde ist für öffentliche Straßen und Gehwege zuständig, kann die Gehwegpflicht aber per örtlicher Regel auf den angrenzenden Grundstückseigentümer übertragen. Manche Orte tun das; Stockholm räumt seine Gehwege selbst, während Eigentümer sich um Eingänge und Eis aus Fallrohren kümmern. Dachschnee und Eiszapfen sind immer die gesetzliche Pflicht des Gebäudeeigentümers.

Was bedeuten Absperrungen und „takras“-Schilder auf schwedischen Gehwegen?

Takras bedeutet Schnee, der vom Dach rutscht. Eine Absperrung oder ein Warnschild markiert die Gefahr herabfallenden Schnees oder Eises oder ein Dach, das gerade geräumt wird. Der Gebäudeeigentümer muss Schnee und Eis entfernen, das auf öffentlichen Grund fallen könnte, und den Bereich dabei absperren. Geh um die Absperrung herum, auch wenn du die Straßenseite wechseln musst.

Warum liegt Splitt auf schwedischen Gehwegen?

Streugut – Sand, Splitt oder eine Sand-Salz-Mischung – gibt deinen Sohlen Halt, wo sich Eis nicht räumen lässt. Gemeinden und in manchen Orten Grundstückseigentümer streuen es bei Glätte, oft auf einem etwa einen Meter breiten Streifen. Im Frühjahr wird es wieder zusammengekehrt. Salz wird ebenfalls verwendet, laut manchen örtlichen Regeln aber nicht auf Betontreppen.

Wo kann ich in Schweden Schuhspikes kaufen?

Im Winter gibt es broddar in Sport- und Outdoorläden, Schuhgeschäften, Baumärkten, Apotheken und vielen Supermärkten. Spikes für die ganze Sohle eignen sich für vereiste Wege; Fersenspikes sind für die Stadt praktischer, und hochklappbare Modelle klappst du an der Tür einfach weg. Manche Gemeinden verschenken Schuhspikes an ältere Einwohner, aber nur an Ortsansässige.

Was tue ich, wenn ich in Schweden auf Eis ausrutsche und mich verletze?

Bei Verdacht auf einen Bruch, eine Kopfverletzung oder starke Blutung ruf die 112 an. Wenn du wissen willst, ob und wo du behandelt werden solltest, ruf 1177 an, die Gesundheitsberatung. Sag danach der Gemeinde oder dem Eigentümer, wo du gestürzt bist, damit gestreut wird. Heb Quittungen und ärztliche Unterlagen für deine Reiseversicherung auf.

Weiterführende Ratgeber


Fakten geprüft am 5. Oktober 2026. Quellen: Sveriges riksdag (Lag 1998:814 über die Straßenreinigung, Ordningslagen, Trafikförordningen), Trafikverket, Svenska institutet för standarder, Stockholms stad, Mölndals stad, Polisen, 1177 – vollständiges Verzeichnis in der Quelldatei dieses Themas. Etwas veraltet? Sag uns Bescheid, dann korrigieren wir es.